Schlaf weiter, Schönheit.

Schlaf weiter, Schönheit.

Fünf Minuten nach Beginn der Vorstellung lehnt Simon sich zu mir rüber und murmelt: „Schon das war besser als der gesamte letzte Abend“. In den folgenden knapp eineinhalb Stunden nickt mein wie immer bunt gekleideter Sitznachbar noch ein paar Mal zustimmend mit dem Kopf. Ihm gefällt scheinbar, was er da auf der grossen Bühne des Schlaf weiter, Schönheit. weiterlesen

Ein Kind für alle?

Ein Kind für alle?

  Diverse Konstellationen, in denen Menschen ihre Sehnsucht nach Nachwuchs nicht einfach so erfüllen können, landen in „Ein Kind für alle“ auf der schlichten Bühne. Um zeugungsunfähige Männer und Frauen geht es, um dänische Samenbanken, indische Leihmütter, jüdische Adoptiveltern und interkontinentale Geschwisterpaare. Der wesentliche Unterschied zu den meisten Beiträgen, die zu diesem ethisch nicht ganz Ein Kind für alle? weiterlesen

Wuttke vs. Megge.

Wuttke vs. Megge.

Der junge Mann, der mich zur Drummeli-Premiere begleitet, ist gebürtiger Basler. Luis Manuel ist Jahrgang 1994, zur Hälfte Portugiese und seit seiner Kindheit von Musik begeistert. Seit er 12 ist, spielt er selber Schlagzeug, unter anderem in einer Jazzband. In seiner Freizeit legt er auf. Die Fasnachts-Trommelei war für ihn bisher nie ein grosses Thema, Wuttke vs. Megge. weiterlesen

Nenn mich Chuck Norris.

Nenn mich Chuck Norris.

KLISCHEES. Reden wir kurz über Vorurteile. Das des harten Mannes, beispielsweise. Über echte Kerle und toughe Typen. Männer, die sich nicht haben aufweichen lassen von Genderwahnsinn, Homophilie und lästigen Gerüchten über irgendeinen Klimawandel. Unter diesen Pfosten des Patriarchats kursiert das Gerücht, Künstler seien allesamt Diven und empfindlich wie Mimosen. Mit Ambivalenzen können sie nichts anfangen, Nenn mich Chuck Norris. weiterlesen

Lass ma‘ Jesus gucken.

Lass ma‘ Jesus gucken.

Das wird ein Verriss. Schon Tage vor der Premiere von „Jesus Christ Superstar“ geistert mir dieser Gedanke durch den Kopf. Ich mag Musicals nicht. Sie sind mir zu bunt, zu schwülstig, zu zwanghaft-fröhlich und zu plakativ. Ich werde mich lustig machen müssen über verkleidete Leute, die mit weit aufgerissenen Augen und Mündern durch ein überladenes Lass ma‘ Jesus gucken. weiterlesen

Käffchen mit Liliane A.

Käffchen mit Liliane A.

Schwalben. Nach einer Dreiviertelstunde gelingt es mir endlich, die Vögel zu identifizieren, die zu hunderten auf ihren grauen Schlabberpulli gedruckt sind. In meinen Notizblock hatte ich zu Beginn unserer Unterhaltung „Möwenpulli?!“ gekritzelt. Irgendwie hätte das auch zu ihr gepasst: Möwen. Sie hat was Norddeutsches. Nicht nur, weil auf ihrer Strickmütze ein Anker prangt. Ich kann Käffchen mit Liliane A. weiterlesen

Und am Ende ist Pogrom.

Und am Ende ist Pogrom.

Als wir uns an der Pforte vorm Foyer treffen, weiss der junge Mann mit dem zartrosafarbenen Hoodie noch nicht, was ihn erwartet. Wir begrüssen uns im Regen, die Leute gucken, wie immer, wenn der menschliche Papagei in seinem pinken Rollstuhl irgendwo auftaucht. Ich hole die Tickets, kehre zurück, Simon hat sein Handbike mittlerweile abgeschlossen und Und am Ende ist Pogrom. weiterlesen

Wissenswertes über Mozarts Flöte.

Wissenswertes über Mozarts Flöte.

Ich habe Stückschreiben in Berlin studiert, sprich: zu viel getrunken und geraucht und mir über das Verhalten meiner Zeitgenossinnen und -genossen (und mich selbst) den Kopf zerbrochen. Um Operninszenierungen anständig zu lesen, fehlt mir vermutlich die sittliche Reife. Von empfehlenswerten Masterabschlüssen in Psychologie, Komposition und Dirigieren ganz zu schweigen. In ihren Rezensionen zu Julia Hölschers Wissenswertes über Mozarts Flöte. weiterlesen

Sparschweinereien.

Sparschweinereien.

Von Peter Steins Inszenierung des Vaudeville-Klassikers geht Alfred Schlienger also aus in seiner Kritik an Martin Laberenz Inszenierung von „Das Sparschwein“. Damals, vor 42 Jahren, habe er, Schlienger, im Publikum gesessen und sich totgelacht. Das, was am 17.12.2015 am Theater Basel Premiere hatte, nennt er in seinem Artikel vom 18.12. „ein Desaster“. „Man stelle sich Sparschweinereien. weiterlesen